Theater Kleve
Zu Gast im XOX-Theaterr
Theater zum westlichen Stadthirschen

 

 

TROMPETE GALGEN FEUERSTRAHL
nach den "Gesprächen mit Schizophrenen" von Leo Navratil

„Also, es gibt ja Götter, das heißt, nicht solche, wie die Griechen es gemeint haben, sondern solche, die die Welt erschaffen haben. Das ist ja nicht ein Gott, die ganze Sternenwelt und alles, das müssen ja Götter sein, viele. Ich hab gelesen - nicht vielleicht, dass ich es noch nicht gewusst hätte, da hab ich schon längst alles gewußt -, aber ich hab gelesen - so ungeschickt ausgedrückt -, ganz winzige Tierchen, unendlich viele, haben die Welt gemacht. Und zwar aus dem Holländischen übersetzt. Aber das ist, erstens einmal ist es irgendwie nicht intelligent ausgedrückt, und zweitens ist es irgendwie unpietätsvoll! Die Götter sind so kleine Tierchen, die sind nicht größer als eine fliegende Ameise. Dieses Geheimnis hat mir meine Mutter anvertraut...“

Das Theater zum westlichen Stadthirschen destilliert aus den berühmten Gesprächen mit den Gugginger Künstlern eine Selbstbefragung, die sich auf die Suche macht nach einem Zustand, in den jeder geraten kann, der die lapidare Frage „Wie geht es Ihnen heute?“ nach bestem Wissen und Gewissen ehrlich zu beantworten versucht. Es geht also nicht um die Rekonstruktion von Krankheitsbildern, sondern um das beinah alltägliche Schwindelgefühl aus Panik, Sehnsucht, Scham und Euphorie, das hier mit verblüffenden bis grotesken Welterklärungsmodellen gleichzeitig beschworen und gebannt wird.
 
mit: Dominik Bender
Raum: Isolde Wittke
Licht: Urs Hildbrand
Regie: Hildegard Schroedter

„Bender benutzt die Sprache wie ein Seziermesser. Sehr konzentriert und sorgfältig schält er Schicht um Schicht aus den Texten heraus, quälende Befindlichkeiten, visionäre Weltvorstellungen, Anwandlungen von heiterer Unbeschwertheit, bis am Ende etwas dasteht, was mit sich ganz allein ist: ein Mensch.“ Regine Bruckmann, zitty
„Es scheint aber auch auf, dass die alternativen Wirklichkeiten nicht nur faszinierend für den Betrachter, sondern ebenso Ausdruck des Leidens für den Betroffenen sind. Die Theatermacher lesen sie bevorzugt als Dokumente des Wissens, Wahrnehmens und Fühlens, die in den allgemeinen Erkenntnishorizont aufgenommen werden sollten.“
Tom Mustroph, die tageszeitung

„Immer wieder kann man an entlegenen Spielorten in Berlin künstlerische Spitzenereignisse erleben. Dominik Bender spricht 70 Minuten lang Texte von Schizophrenen... voller Wahnvorstellungen und Widersinnigkeiten. „Winzige Tierchen" sieht einer, die ihm in den Körper kriechen, und es sind die Götter, die die Welt geschaffen haben, meint er. Einer will nicht essen und einer auf einer klitzekleinen Trompete spielen. Einer hört „so ein Geräusch am Fußboden" und das ist vielleicht die Großmutter, die sich verabschiedet. Einer schreit Worte heraus und einer hört Sphärenklänge." Joachim Kramarz, THEATER RUNDSCHAU

15./ 16. Juni i 2016, 20.00 Uhr