
KLEVE Mit der gelungenen Premiere des Theaterstücks „Die Wunderübung“ von Daniel Glattauer hat das Ensemble des XOX-Theaters zusammen mit seinem neuen künstlerischen Leiter Ludger Terlinden die Erfolgsgeschichte des Theaters im Obergeschoss des ehemaligen Fabrikgebäudes an der Briener Straße fortgesetzt. Das Publikum im vollbesetzten Saal feierte das neue Stück mit begeistertem Applaus.
So wie es auch der Gründer des Theaters, der erst kürzlich verstorbene Wolfgang Paterok , getan hatte, trat auch Ludger Terlinden vor dem noch geschlossenen Vorhang vor das Publikum. Mit den Worten „Er fehlt uns allen sehr.“ sprach er wohl vielen aus dem Herzen, denn Paterok hätte gerne die Premiere miterlebt. „Ich möchte zusammen mit dem engagierten Team das Theater weiterführen. Dass das Theater weiterlebt, war Wolfgangs großer Wunsch.“ Paterok war Vorsitzender des Kunstlabors „ArToll“, Träger des Kulturpreises der Stadt Kleve und Gründer des XOX-Theaters, das fast drei Jahrzehnte unter seiner Regie ambitioniertes, qualitativ hochwertiges Theater bot.
Von Beginn an liegt durch die mitreißende Darstellung der Schauspieler viel Humor in der Luft. Die gegenseitigen Vorwürfe, zum Beispiel „ich mache alles und du gehst deinen Weg“, „du sprichst nicht mit mir“, „du verstehst mich nicht“, „du lässt mich nicht zu Wort kommen“ – all diese Vorwürfe werden so pointiert vorgetragen, dass der Zuschauende einfach lachen muss.
Noch besser wird es, als der Therapeut die „Wunderübung“ beginnt. Joana und Valentin müssen sich dazu einander zuwenden, die Augen schließen und die Arme mit geöffneten Handflächen dem Partner entgegenstrecken. Dann spricht der Therapeut einen Text, der die beiden so einstimmen soll, dass sie gleichsam spirituell zueinander finden. Auf Valentin wirkt dies wie ein Schlafmittel, er sackt fast vom Stuhl und schnarcht hörbar. Der Therapeut spricht seinen Text wie nebenbei, er löffelt dabei einen Joghurt, schaut aufs Handy, kümmert sich um seine Fingernägel oder schaut sich Bilder in einer Zeitschrift an. Obendrein nimmt Joana die Übung sichtlich ernst und empört sich über die mangelnde Mitarbeit ihres Mannes.
Das Zusammenspiel der drei ist damit voller Tempo und Komik. Was kommt noch? Fragt man sich. Es kommt noch viel mehr. Die „Faustübung“, der „Rollentausch“ und die schönen Erinnerungen an den Beginn der Liebe – die Palette der Emotionen einer Zweier-Geschichte wird bunt, abwechslungsreich und durch die gekonnte Darstellung des Trios völlig glaubhaft. Vom wahrhaft wundervollen zweiten Teil des Stückes darf an dieser Stelle nichts erzählt werden. Das Publikum dankte dem neuen XOX-Team für eine erfrischende, befreiende und außergewöhnliche Paartherapie-Sitzung.